Kink - Selbstbewusst anders Leben und Lieben

Inhaltsübersicht

Dieser Blog widmet sich dem Thema Kink. Hier erfährst du woher der Begriff kommt. Was sich dahinter verbirgt und was wichtig ist, um dich in diesem spannenden Entwicklungsfeld nachhaltig freudvoll zu bewegen. Egal ob du nur neugierig, auf dem Weg oder schon durch und durch Kinksta bist.

 


 


1. Was bedeutet Kink

Überall lauert kinkiness: „Kinky Sex”, “Kinky Explorer”, “consensual kink”, “Kinky Galore” ja sogar eine “Kink University” gibt es. Und das ist noch längst nicht alles. Doch was ist eine offizielle Definition von Kink? Ein Synonym für BDSM (Definition siehe unten) oder doch nicht ganz? Da bin ich mir nun auch nicht mehr so sicher.  Also Handy zücken und das große Orakel befragen:

 

Ich: „OK Google, definiere Kink“

Google: „Seemannssprache und norddeutsch für Knoten, Fehler im Tau.“ 

 

Das ist nicht wirklich hilfreich. Eine deutsche Wikipedia Seite gibt es auch nicht. Also muss ich doch etwas tiefer ins Netz eintauchen. Nach ein paar Eingaben und Klicks finde ich den englischen Wikipedia Eintrag zu „Kink (Sexuality)“: 

 

... kinkiness umfasst nicht-konventionelle Sexualität. Der Begriff leitet sich ab von der Idee einer Abbiegung (Knick) im sexuellen Verhalten,  im Kontrast zu „Straight“ (geradlinig) oder „Vanilla“ Sex. [1]

 

 Auf gut Deutsch heißt das soviel wie „alles außer Blümchensex“. In den Quellen stoße ich auf eine US Leitlinie zum Umgang mit kinky Klienten/Patienten. Hier finde ich folgende Definition:


Kink ist ein Dachbegriff für sexuelle Identitäten, Beziehungsformen, erotische Fantasien, Interessen und einvernehmliche Praktiken zwischen erwachsenen Menschen. Praktiken die außerhalb der gesellschaftlichen Norm liegen. [2] 

 


2. Was gehört zum Kink Spekturm - Ausserhalb der Norm

Laut der US-Leitlinie nimmt BDSM eine zentrale Rolle im Kink Spektrum ein. Hinter diesen vier Buchstaben verstecken sich die folgenden 6 Bedeutungen:

 

  • Bondage: Jemanden zu fixieren mit Seil oder anderen Hilfsmitteln
  • Dominanz/Submission kurz DS: Das Spiel mit Machtgefällen
  • Disziplin: Spiel mit Erziehung, Befehlen und Bestrafung
  • Sadismus/Masochismus kurz SM: Spiel mit intensiven Sinnesreizen bis hin zu Schmerz

 

BDSM ist eine sehr große Themenwelt. In vielen Fällen überschneiden sich die einzelnen Bereiche, wobei das Spiel mit Machtgefällen vielfach eine wichtige Rolle einnimmt. Bondage und das Spiel mit intensiven Stimuli kann auch ohne Machtverschiebung sehr lustvoll sein.

Neben BDSM gibt es weitere Punkte die als „außerhalb der gesellschaftlichen Norm“ gelten. Unter anderem können wir folgende Punkte dazurechnen:

 

  • Das erotisieren unbelebter Objekte (Fetische wie Lack, Leder, Wolle, Latex...)
  • Nicht-monogame Beziehungsformen (z.B. offene Bez., Polyamorie)
  • Rollenspiele
  • Sex zu dritt, zu viert, zu...
  • Erotisiertes Spiel mit Lebensmitteln (Sploshing)
  • Analverkehr
  • Spiele mit Ausscheidungen (Kaviar, Natursekt, Spucke...)
  • Sex an „öffentlichen“ Orten (Club, Parkplatz, Kino...)
  • ....

 

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und unterliegt zudem dem Zeitgeist. Vor Hundertfünfzig Jahren wäre sie ganz bestimmt deutlich länger gewesen. Da war bereits Selbstbefriedigung ziemlich pervers.

 

Kink ist nicht gleich BDSM und dennoch macht es einen gewichtigen Anteil aus. Aus diesem Grund greife ich in diesem Blog zum Thema Kink auf Untersuchungen zurück, die im Zusammenhang mit BDSM stehen.

 

Was mir an der Kink-Leitlinie ins Auge Sticht, ist das große Selbstverständnis mit welcher sie daherkommt.


 


3. Kink - Frech und selbstbewusst anders Lieben und Leben

Die oben erwähnte US Leitlinie (Quelle 1) finde ich großartig weil sie die Entstigmatisierung und Entpathologisierung sexueller Andersartigkeit fördert. Schließlich gibt es mittlerweile genügend Belege die zeigen, dass BDSM praktizierende weder mehr noch weniger von psychischen Störungen betroffen sind als nicht BDSM praktizierende. Für die meisten geht es schlicht um Nervenkitzel und Selbsterfahrung. [3]

 

Überhaupt mag ich den Begriff „kinky“. Er transportiert etwas positives, freches und spielerisches hinsichtlich sexueller Vielfalt, ist im besten Sinne sexpositiv. Ein wohltuender Kontrast zu den teilweise immer noch vorherrschenden Vorurteilen gegenüber BDSM. Dabei sind gerade erotische Fantasien zu Dominanz und Submission weit verbreitet!


 


4. Kink ist verbreiteter ist gedacht!

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2017 bringt BDSM bei 27% der Befragten frischen Wind ins Liebesleben. Über 54% haben zwar noch keine Erfahrung mit BDSM, sind aber durchaus offen dafür. Zudem bezeichnen sich gut 8% als BDSM praktizierende. [4] Zusammengerechnet sind also 89% der Befragten offen für kinky Spielchen!

 

OK, vielleicht sollte ich fairerweise erwähnen, dass diese Umfrage von einem Erotik-Versand erhoben wurde. Gut möglich, dass die rund 1000 Befragten in sexueller Hinsicht etwas tiefenentspannter sind als der deutsche Durchschnitt. Dennoch kommt auch eine repräsentativere wissenschaftliche Studie aus Kanada zum Schluss, das von der Norm abweichendes Sexualverhalten gar nicht so selten ist. Etwa die Hälfte der über tausend Befragten  gaben an, als paraphil geltende Bedürfnisse verspürt zu haben. Etwa ein Drittel hat mindestens schon einmal eine Paraphilie ausgelebt, wobei Voyeurismus, Fetischismus und Masochismus zu den Favoriten zählten.

Die Autoren dieses Artikels argumentieren, dass einige der untersuchten Verhaltensweisen wohl so häufig vorkommen, dass diese gar nicht als außerhalb der Norm gelten sollten. Vielleicht ist Kink teilweise so selbstverständlich oder unterschwellig in die Sexualität integriert, dass wir es gar nicht so recht bemerken. [5]


 


5. Kink - Spiel oder Neigung?

Labels wie Kink und Kinksta (wenn du dich mit Kink identifizierst) haben immer ein Beigeschmack, dass sie das Schubladendenken fördern. Im Fall von Kink ist die Schublade jedoch so groß, dass ich mir hier nicht so große Sorgen mache. Da ist für alle etwas dabei, die glauben, dass sie in ihrem Lieben und Leben außerhalb der Norm liegen.

 

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die mal hier oder dort in die Welt des Kink reinschnuppern und es wieder lassen. Es gibt Menschen die sich intensiver mit Kink ausprobieren und doch nicht als Kinksta bezeichnen. Und dann gibt es natürlich noch die Menschen für die Kink eine tiefverwurzelte Neigung, eventuell sogar ein wichtiger Teil ihrer Identität darstellt.

 

Ich finde es zauberhaft, wenn alle miteinander und nebeneinander sein dürfen. Es braucht keinen Wettbewerb, wer mehr kinky ist. Genauso ist es auch völlig prima, wenn du mit Kink gar nichts am Hut hast. Vielleicht bist du dir aber auch gar nicht bewusst, dass du kinkier bist als du glaubst.


 


6. Kinky und du weisst es (noch) nicht?

Praktiken die streng genommen dem Kink Spektrum zugeschrieben werden, kommen in abgeschwächter Form häufiger vor als gedacht. Vielleicht bist du mit der einen oder anderen der nachfolgenden Handlungen bereits vertraut. Falls nicht, findest du vielleicht die eine oder andere Inspiration für dein nächstes Liebesspiel:

 

  • beobachten und dabei erregt werden: Voyeurismus
  • aufs Bett schupsen, raufen: Play Fight
  • sanft an den Haaren ziehen, neckische Liebesbisse:  Rough Body Play
  • den Rücken mit leichten Kratzspuren verzieren: Sensation Play
  • Klapps auf den Hintern: Impact Play
  • heiß machen und den Orgasmus herauszögern: Tease and Denial
  • sanfter Würgegriff am Hals: Breathplay
  • Oralverkehr (Fellatio) etwas tiefer als bequem: Breathplay
  • Hand  leicht auf Mund legen um Stöhnen und Seufzen zu unterdrücken: Breathplay
  • das Gegenüber mit bloßen Händen festhalten: Fixation Play

 

Viele bedienen sich kinky Praktiken und bezeichnen sich trotzdem nicht als BDSMer oder Kinksta. Manchmal gibt die Prise Kink dem Liebesspiel etwas mehr Wums, ist Ausdruck von Begehren und geschieht eher intuitiv, ohne das groß zu thematisieren.

 

In vielen Fällen ist eine unbewusste kinky Färbung der Sexualität der jeweiligen Situation völlig angepasst. Anders wird das, wenn du mal jemanden so richtig übers Knie legen und dessen Hintern versohlen möchtest! Oder wenn du unbedingt mal so mit Seil oder anderen Hilfsmitteln fixiert werden möchtest, dass du dich selber nicht mehr befreien kannst. Was, wenn du überwältigt und genommen werden möchtest? Selbst bei einer sinnlich-sanften Ménage-à-trois steigt das Risiko, dass etwas schief gehen kann!


 


7. K wie Kink und Konsequenzen - Risiken & Nebenwirkungen

Viele kinky Praktiken sind wegen ihres Nervenkitzels so spannend, gehen aber auch mit bestimmten Risiken für Leib und Seele einher.

Zum Beispiel kann eine falsche Fesselung Nervenschäden nach sich ziehen. Jemanden bei Rough Body Play zu Sex zu drängen/zwingen kann traumatisierend sein. Seine Nicht-monogame Neigung auszuleben kann zu Vertrauensverlusten und Trennungen führen, von übertragbaren sexuellen Krankheiten ganz zu schweigen. Atemreduktionsspiele können tödlich enden. Für außenstehende kann sowieso schnell der Eindruck entstehen, dass es sich um destruktive Gewalt, Übergriff oder Missbrauch handelt. 

 

Kink hat das Potential unschöne Konsequenzen nach sich zu ziehen. Das aber bedeutet nicht, dass du dich unbedingt von kinky Praktiken fernhalten solltest. Das Leben ist risikoreich. Selbst beim Fußball spielen, Auto fahren oder beim über die Straße gehen kann dir ziemlich krasses Zeug passieren. Leben ist bekanntlich lebensgefährlich und endet in jedem Fall tödlich!

 

Wie geht das, dass sich Menschen trotz solchen Risiken ins Spiel mit den Nervenkitzel stürzen? Wie kommt es, dass Menschen nach einem sehr intensiven Kink Abenteuer dankbar dafür sind, dass sie gefesselt, benutzt, erniedrigt oder sonst etwas wurden. Handlungen von denen man denken könnte: das geht ja gar nicht, was diesem armen Geschöpf widerfahren ist. Was braucht es, damit jemand von einem heißen Date mit einer Freundschaft+ zurückkehren kann und die Partner*in zu Hause ganz entspannt fragt, wie es war?

 

Zugegeben, es gibt dazu kein Standardrezept aber es gibt zwei Einvernehmlichkeitsphilosophien die in dieser Hinsicht essentiell und hilfreich sind.


 


8. K wie Kink und Konsens - Zwei Philosophien zur Einvernehmlichkeit

Einvernehmlichkeit, beziehungsweise Konsens, ist in der Welt des Kink absolut zentral. Deshalb spricht die oben erwähnte Kink-Leitlinie auch ausdrücklich von „einvernehmlichen Praktiken“. Es geht darum, dass alle Beteiligten ein Ja zu dem haben, was geschieht. Mitunter kann es auch darum gehen, mögliche Gefahren für Leib und Seele zu minimieren und die vollzogenen Handlungen von strafbarer sexualisierter Gewalt zu unterscheiden.

Weil Einvernehmlichkeit so essentiell ist, möchte ich dir zwei Konsenskonzepte vorstellen, die sich über die letzten zwanzig Jahre hinweg in der BDSM Community durchgesetzt haben. Die beiden Philosophien unterscheiden in ihrem Umgang mit möglichen Risiken. Das etwas ältere Modell ist SSC. [6] Es steht für:

 

  • S: Safe // Sicherheit & Vermeidung von körperlichen und seelischen Schäden
  • S: Sane // mit gesundem Menschenverstand
  • C: Consensual // Einvernehmlich

 

„Sane“, also „gesunder Menschenverstand“, ist ein ziemlich schwammiger Begriff und wird sehr kontrovers diskutiert. Ich verstehe darunter: Egal was du tust, es sollte sich nachhaltig gut anfühlen. Wenn du dich mit deinem Kink immer wieder schlecht fühlst und es dann trotzdem wieder tust, tu es nicht mehr so. Finde Alternativen oder suche nach Unterstützung. Letztere findest du in der Kink Community (Foren, Stammtische, Hotlines) oder bei Therapeuten/Beratern die sich als Kink Aware Professionals (KAP) verstehen. Gerne darfst du dich auch an mich wenden.

 

Menschen die bewusst höhere Risiken eingehen, identifizieren sich eher mit dem Konzept „Risk Aware Consensual Kink (RACK, risikobewusster einvernehmlicher Kink). [6] Sie bemängeln, dass SSC dazu verleitet, die Risiken zu verdrängen. Ich finde, da ist was dran. Mir persönlich ist es lieber, die Risiken offen zu thematisieren, anstatt zu glauben, dass mir dank Sachkenntnissen und Fertigkeiten nie etwas in die Hose gehen kann. Ein gewisses Restrisiko bleibt immer. Selbst bei nicht-kinky Aktivitäten. Bin ich bereit in Verantwortung zu gehen und dieses Risiko zu tragen?

 

Unter der Flagge von RACK praktizieren insbesondere die Kinkstas und BDSMer, die ganz bewusst gewisse leiblichen Verletzungen in Kauf nehmen. Spuren wie Striemen und Flecken in verschiedenen Abstufungen von rot, blau und violett tragen manche so stolz wie andere das Bundesverdienstkreuz, wenn auch vielleicht nicht ganz so offen. Quasi als Souvenir an eine aufregende Session!


 


9. Kink in Verdaubaren Portionen - Sessions

Wenn du Neues ausprobierst, empfehle ich dir, die Schrittgröße so anzupassen, dass es dein System gut verarbeiten kann. Neu kann sich auf dein Gegenüber, eine Praktik, eine Umgebung etc. beziehen.

 

Eine Möglichkeit dein kinky Abenteuer verdaubar zu portionieren ist der Faktor Zeit. Vereinbare eine angemessene Zeitdauer für welche du in ein kinky Spiel eintauchen magst. Solche Portionen werden als Sessions bezeichnet. In dieser Zeit geschieht das, worauf sich alle Beteiligten geeinigt haben. Das gibt dem Ganzen einen Rahmen und hilft, vom Alltag rauszukommen, rein ins Spiel aber auch wieder zurück. Plane auch genügend Zeit nach einer Session für Austausch und Aftercare (Nachsorge). Manchmal braucht es ein bisschen bis man wieder mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht.

 

Auch wenn du eine Session gut vorverhandelt hast, die Grenzen abgesteckt sind, und das Spiel sich scheinbar wie erwartet entwickelt, kann es sein, dass irgendetwas zu viel oder zu wenig wird. Für solche unvorhersehbaren Eventualitäten gibt dir das Ampelsystem eine simple Möglichkeit, die Intensität der Session zu regulieren, ohne ganz aus dem Spiel aussteigen zu müssen: 

 

  • Grün: Alles gut, gerne mehr davon!
  • Gelb: Ganz schön doll, bitte Vorsicht, nicht intensiver!
  • Rot: Stopp, hör mit dem was du gerade machst auf. Mach „(wo)anders“ weiter

 

Solltest du dennoch merken, dass dich die Session an eine Grenze bringt, die du nicht überschreiten möchtest, hast du stets die Freiheit, Grenzen zu setzen.


 


10. Kink und die Freiheit Grenzen zu setzen

Das Konzept der Einvernehmlichkeit ermöglicht es, kinky Fantasien in großer Freiheit auszuleben. Damit dies nachhaltig freudvoll sein kann, braucht es jedoch klare Grenzen. Damit du diese ziehen kannst, solltest du Zugang zu deinen eigenen Bedürfnissen haben und diese ausdrücken können. Kannst du deinem Gegenüber mitteilen auf was du tierisch Bock hast? Kannst du sagen, wozu du offen bist aber noch nicht so recht weißt, wie du das findest? Kannst du klar sagen, was du auf gar keinen Fall erleben möchtest?

 

Es ist wichtig, dass sich alle beteiligten im Vorfeld (Vorgespräch) bei klarem Verstand aus freiem Willen heraus darauf einigen, welche Risiken sie eingehen möchten und wozu sie Nein und wozu sie aus vollem Herzen Ja sagen. 

 

Was wenn in einer laufenden Session ein Vorgesprächs-Ja zu einem Nein wird?  Dann ist das eben so! Es gehört zum Selbstverständnis der Einvernehmlichkeit, dass die Zustimmung jederzeit zurückgezogen werden kann. Ohne jegliche Diskussion!

 

Damit ein Nein unmissverständlich als Nein verstanden wird, müssen vor der Session entsprechende Abbruchcodes vereinbart worden sein! Üblich sind Safewords wie das internationale Notsignal „Mayday“ oder um Gnade flehen mit „Mercy. Ebenfalls weit verbreitet ist dreimal Abklopfen wie im Kampfsport. Besonders dann, wenn jemand nicht sprechen kann. Bei kinky Spielchen muss das nicht unbedingt daran liegen, dass jemandem die Worte fehlen.

 

Ein Abbruchcode führt dazu, dass eine Session abgebrochen wird. Dann wird geschaut, was es braucht, um die Person aufzufangen, die in Not geraten ist. Da wo Menschen einfühlsam und verantwortungsvoll miteinander „spielen“ kommt es sehr selten dazu, dass die Notbremse gezogen wird.

 

So oder so lege ich dir sehr ans Herz, nie ohne Abbruchcode in Sessions einzusteigen. Auch wenn es in der Natur von Notsystemen liegt, dass sie selten betätig werden. Sie sind dazu da, uns ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Die Sicherheit, nichts aushalten zu müssen, was wir nicht aushalten wollen. Eine Begrenzung die dazu beitragen kann, unsere Freiheit in vollen Zügen zu genießen.

 

Halte dir vor Augen, dass nicht alles was du schon immer mal machen wolltest in ein und dieselbe Session gepackt werden muss. Es ist kein Wettbewerb und weniger ist oft mehr. Wenn es gepasst hat, gibt es weitere Sessions auf die du dich freuen kannst. Wenn das Vertrauen wächst kannst du das Spiel immer noch intensivieren oder herausfinden, wo deine persönliche Grenze liegt. Vielleicht hast du ja eine Forschungsfrage die du bewusst mit in eine Session nimmst?


 


11. Conscious Kink - Forschungsspielwiese für Erwachsene

Abgesehen von einer Kultur der Einvernehmlichkeit braucht es keinen spirituellen oder sonstwie ideologischen Überbau, um deinen Kink zu legitimieren. Kink der reinen Lust willen hat seine ganz eigene Daseinsberechtigung. Trotzdem möchte ich es nicht verpassen hier auf das persönliche Wachstumspotential hinzuweisen, wenn du Kink ganz bewusst für dich nutzt.

 

„Conscious“ steht unter anderem dafür, bewusst in Erlebniswelten einzutauchen. Gefühle zu erforschen, die in unserer Gesellschaft wenig Zuspruch finden, verdrängt oder unreflektiert gelebt werden. Ich denke zum Beispiel daran mit emotionalen Kellerkindern wie Wut, Schuld, Scham und Angst in Kontakt zu kommen. Welchen, vielleicht auch unerwarteten, Einfluss haben sie wohl auf deine sexuelle Erregung?

 

Vielleicht spielst du schon eine ganze Weile mit dem Gendanken, eine bestimmte erotische Fantasie auszuleben. In einem Conscious Kink Umfeld stehen deine Chancen recht gut, dass dies ein lehr- und lustreiches Unterfangen werden könnte. Doch eigentlich geht es nicht darum persönliche To-Do-Listen abzuarbeiten. 

 

Es geht um den berühmt berüchtigten Weg zum Ziel, den Prozess. Die Wahrnehmung zu schärfen und dabei auf das zu achten, was sich in dir und um dich zeigt. Damit BEWUSSTzuSEIN. Vom Denken ins Fühlen und Erleben zu kommen und wieder zurück. Sprache zu finden, für das was du erlebt hast. Das Erlebte für dich und mit anderen zu reflektieren.

 

Das entspricht so ziemlich genau der Philosophie die wir auch in unserem BDSM Einsteigerkurs vermitteln. So kann Kink zu einer lustvollen Forschungsspielwiese für Erwachsene werden.


 


12. Kink - mein persönliches Fazit

Eigentlich wollte ich nur mal kurz die Definition von Kink ergründen. Daraus ist ein weitreichenderes Unterfangen geworden. Respekt, wenn du dich bis hierhin durchgelesen hast.

Wie erwartet hat Kink viel mit BDSM gemeinsam. Besonders die Wichtigkeit von klaren Verhandlungen bezüglich der Einvernehmlichkeit kommt maßgeblich aus der BDSM-Konsenskultur. Sie gibt uns die Erlaubnis, innerhalb von vereinbarten Grenzen anders zu sein als das was uns gesellschaftliche Normen vorgeben. Dadurch genießen wir eine Freiheit die es uns ermöglicht: 

 

  • individuelle Bedürfnisse zu entdecken und zu verwirklichen
  • Beziehungsdynamiken zu erforschen
  • Bestehende Normen und Standards bezüglich Beziehung, Liebe, Sexualität zu hinterfragen
  • Selbstbewusst anders zu Leben und Lieben
  • Neue Formen von Beziehung, Liebe und Sexualität zu erkunden
  • Persönlich zu wachsen (Integration unbewusster Anteile, Kommunikation, ...)

 

 

Dies ist in ganz besonderem Maß der Fall, wenn Kink in bewusst gehaltenen Räumen stattfindet, wie das bei Conscious Kink der Fall ist. Spielerisch, immer wieder lustvoll und doch ernstzunehmend tief in Selbsterfahrung zu gehen, ohne mir dabei das Hirn zermartern zu müssen. Ja, ich muss gestehen, mir gefällt dieser einvernehmliche Spielplatz für Erwachsene sehr.

 

Ich freue mich, wenn ich dich in der einen oder anderen Form ein Stückchen in diese faszinierende Welt des Kink begleiten darf. Sei es im beratenden Gespräch, in einer individuell auf dich zugeschnittenen Session oder in einem unsere Gruppen- oder Inividualworkshops (letztere auf Anfrage).


 


13. Quellenangaben

[1]      Kinky Sexualtity Wikipedia EN

 

[2]      Kink Clinical Practice Guidelines Project (2019). Klinische Richtlinen für die Arbeit mit Menschen mit Kinky Interessen. www.kinkguidelines.com

 

[3]       Andreas A.J. Wismeijer, Marcel A.L.M van Assen, Psychological Characteristics of BDSM Practitioners, J Sex Med (2013); 10:1943-1952. 

 

[4]       Umfrage in Deutschland zu Erfahrungen mit BDSM 2017. Statista

 

[5]      C. C. Joyal, J. Carpentier, The Prevalence of Paraphilic Interests and Behaviors in            the General Population: A Provincial Survey. J. Sex Res (2016); Vol.54. Issue 2. 

 

[6]      SSC & RACK Wikipedia

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